Gartenpsychologie – oder in unserem Fall: Feldpsychologie

Ganz gleich ob Feld oder Garten, Pflanzen machen Arbeit. Sie wollen regelmäßig gegossen werden und brauchen jemanden, der sie von Unkraut befreit. Manchmal werden sie krank. Wenn ich nach der Arbeit zu meinem kleinen Stück Feld fahre, dann mache ich das nicht immer mit Begeisterung. Es gibt Momente, in denen ich mich ärgere, dass ich erst 45 Minuten später zu Hause bin oder in denen ich mich mit Kopfschmerzen überreden muss, meinen gärtnerischen Pflichten nachzukommen. Solche Gefühle vergehen, wenn ich am Feld ankomme. Es ist ruhig hier, grün, überall wachsen Blumen und verschiedenstes Gemüse gedeiht an den Pflanzen. Im routinierten Trott hole ich eine Gießkanne nach der anderen und fange dabei selber an mich zu entspannen und ruhig zu werden. Nachdem ich reife Tomaten und Zucchini geerntet, Sonnenblumen gepflückt und den Wuchs der Kürbisse bewundert habe, stellt sich ein richtiges Hochgefühl bei mir ein. Nicht einmal eine halbe Stunde später, auf dem Weg nach Hause, bin ich ein ganz anderer Mensch. Der Stress der Arbeit ist von mir abgefallen, die Kopfschmerzen haben nachgelassen. Aber was ist passiert?

Die Menschheitsgeschichte ist eng mit der Natur verknüpft. Verglichen mit der Zeit die unsere Vorfahren im Grünen verbracht haben, erscheint das Leben in den Städten wie ein Wimpernschlag. Wahrscheinlich ist, dass die Natur uns ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe vermittelt. Untersuchungen zeigen, dass sich das regelmäßige Aufsuchen von Grünanlagen positiv auf unsere körperliche und seelische Gesundheit auswirken.

Auch bieten die Felder der Hammer Ernte eine ganz andere Umgebung, die mit dem allgemeinen Alltag eines Großstadtmenschen nichts zu tun hat. Unser Gehirn speichert Erfahrungen immer mit einem Kontext ab. So bietet ein Feld selten einen Kontext mit welchem wir Arbeit oder Stress assoziieren. Somit erhält unser Kopf eine Auszeit vom Alltag und wird an der frischen Luft einmal ordentlich durchgepustet. Das Arbeiten mit den Händen, das Wühlen in der Erde oder das Pflücken von Tomaten bietet eine weitere Abwechslung zu vielen klassischen Arbeitsformen. Das Erleben von neuen oder ungewohnten Sinneseindrücken wirkt erfrischend und belebend auf uns.

Ebenfalls darf man die Rückmeldung nicht vernachlässigen, die man beim Gärtnern erhält. Dieser Faktor scheint ausschlaggebend dafür zu sein, dass uns das Arbeiten im eigenen Garten oder auf dem eigenen Feldabschnitt so befriedigend vorkommt. Wenn man ein Beet von Unkraut befreit, dann sieht man, wie viel man geleistet hat. Erntet man das eigene Gemüse, nachdem man in einem heißen Sommer jeden Tag fleißig gießen war, bekommt man eine Belohnung für all die Mühen. Man kann im wahrsten Sinne des Wortes die Früchte der eigenen Arbeit genießen. Dieses direkte Feedback haben wir sehr selten in einer Welt, in welcher Arbeit sich stark von ihren Ursprüngen entfremdet hat.

Diesen Gründen, warum uns die Natur und das Arbeiten im Grünen so guttut, kann man vermutlich noch viele weitere hinzufügen. Jeder von ihnen erklärt jedoch, warum ich immer mit einem verträumten grinsen heimfahre, egal in welchem Zustand ich angekommen bin.

Julia, Hobby-Gärtnerin