Viele bunte Tomaten
– ein Exkurs zur Artenvielfalt

Auf den Feldern der Hammer Ernte wurden dieses Jahr die verschiedensten Arten von Gemüse angebaut. Ich habe besondere Freude an meinen Tomaten gehabt. Auf meinem Feldabschnitt habe ich davon ungefähr acht verschiedene Sorten gepflanzt. Belohnt wurde ich mit großen Ochsenherztomaten, gestreiften Schokotomaten und Cocktailtomaten in den unterschiedlichsten Farben. Alle haben ganz verschieden geschmeckt und die meisten davon habe ich noch nie zuvor in einem Supermarkt gesehen. Daher habe ich mich ein wenig genauer mit der Vielfalt unserer Feldfrüchte auseinandergesetzt

Seit Jahrtausenden hat die Menschheit Pflanzen für den Anbau kultiviert. Dabei wurden die verschiedensten Sorten gezüchtet. Betrachtet man die Zeit und Mühe die dabei investiert wurde, ähneln unsere Nutzpflanzen eher Kunstwerken. Das Kultivieren der Pflanzen hat über die Jahre zu einer enormen Vielzahl an Sorte geführt, die durch den Menschen genutzt werden können.

Doch brauchen wir diese Menge an unterschiedlichen Nutzpflanzen? Ein gutes Beispiel, um diese Frage zu beantworten ist unsere Agrarwirtschaft. Hier wird häufig nur eine einzige Sorte in sehr großem Maßstab angepflanzt. Werden die Pflanzen durch eine bestimmte Krankheit befallen, kann man kaum etwas dagegen tun. Ein historisches Beispiel hierfür ist die Kartoffelfäule, die im 19ten Jahrhundert die irische Insel befiel. Die Ernte mehrerer Jahre hintereinander wurde dadurch zerstört. Als Folge starben viele Menschen und noch mehr mussten das Land verlassen. Ein anderes, uns noch bevorstehendes Beispiel ist die Panamakrankheit. Diese bedroht ganz akut unsere Bananen. Da 95% aller käuflichen Bananen die gleichen genetischen Informationen teilen, kann diese Krankheit den gesamten Bestand gefährden. Momentan gibt es noch keine Bananensorte, die als Ersatz dienen könnte.

Worin liegt der Grund für diese Entwicklung? Viele sehen hier die Saatguthersteller in der Verantwortung. Die größten fünf von ihnen bedienen 60% des gesamten Marktes. Die Pflanzen, die in der Agrarwirtschaft verwendet werden, bilden Samen aus, welche im Folgejahr nicht weiterverwendet werden können. Somit muss jedes Jahr neues, identisches Saatgut gekauft werden. Aber auch viele andere Faktoren unserer heutigen Gesellschaft verstärken diesen Prozess. Will ein Bäcker jeden Tag die gleichen perfekten Brötchen verkaufen, so muss auch das Mehl jeden Tag die gleichen Verhältnisse von Stärke und Proteinen enthalten. Dadurch muss auch immer das gleiche Getreide gepflanzt und zu immer dem gleichen Mehl verarbeitet werden. Dieser Trend führt dazu, dass bereits zum heutigen Zeitpunkt 75% der der vom Menschen kultivierten Artenvielfalt für immer verschwunden ist.

Viele Organisationen versuchen das Aussterben der Artenvielfalt unserer Nutzpflanzen aufzuhalten und sichern Saatgut in Pflanzensamenbanken. Aber auch urbaner Gartenbau und Landwirtschaftsvereine können was zum Erhalt der Varietät beitragen.

Auch auf den Feldern der Hammer Ernte kann Vielfalt erhalten und sogar erneuert werden. Ein Beispiel hierfür ist die zu Beginn beschriebene Tomate. Sie existiert in verschiedensten Formen und das extrahieren des Saatguts aus den Früchten ist eine leichte Aufgabe. 5 Tipps und Schritte führen zum Erfolg:

  1. Ist die Tomate reif, so sind auch die Tomatensamen reif
  2. Samen aus der Tomate mit dranhängendem Fruchtfleisch in ein Glas geben und 1-2 Tage stehen lassen
  3. Tomatensamen in einem Sieb ausspülen und vom Fruchtfleisch trennen
  4. Samen auf Zeitungspapier oder Küchenkrepp mindestens eine Woche trocknen lassen.
  5. Saatgut trocken und dunkel bis zum nächsten Frühjahr lagern
 

 Mit dieser Methode kann man eine Vielzahl an Tomatensamen aus einigen wenigen Früchten entnehmen. Das erhaltene Saatgut kann man im nächsten Jahr aussähen, an Freunde verschenken oder mit anderen Gärtnern tauschen. Durch diesen Prozess bleiben die vielfältigen Tomatensorten erhalten, werden weiterverbreitet und somit für die Zukunft bewahrt. 

Frohes Tauschen!

Quelle: https://www.ted.com/talks/esther_meduna_why_our_future_relies_on_the_genetic_diversity_of_food

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